Archiv Wermelinger — afamiliawermelinger.blogspot.com
Am Silvesterabend 1825 setzte sich ein Schweizer Arzt hin, um einen Brief zu schreiben. Er befand sich in Campos dos Goytacazes, sechs Tagereisen von der Kolonie entfernt, die er hinter sich gelassen hatte. Er war 46 Jahre alt, hatte eine Ehefrau, vier lebende Kinder, und eine unterdrückte Wut, die nicht mehr in seine Brust passte.
Der Arzt hiess Johann Baptist Jost. Gebürtig aus Willisau, Kanton Luzern, war er sechs Jahre zuvor auf demselben Schiff wie François Xavier Wermelinger eingeschifft — die Heureux Voyage, die von „glücklicher Reise" herzlich wenig hatte. Nun schrieb er von der anderen Seite des Ozeans an Schultheiss Amrhyn, das Oberhaupt der Luzerner Regierung, um Rechenschaft über das Schicksal jeder einzelnen Luzerner Familie abzulegen, die im Juli 1819 die Schweiz verlassen hatte.
Der Brief, datiert vom 31. Dezember 1825, befindet sich im Staatsarchiv Luzern unter der Signatur AKT 24/60.B.3. Der vollständige Text wurde von Martin Nicoulin in La genèse de Nova Friburgo (Seiten 296–303) veröffentlicht. Es ist ein aussergewöhnliches Dokument — ein ungefilterter, unmittelbarer Bericht eines Augenzeugen.
Der Nachbar aus Willisau
Jost und Wermelinger waren nicht bloss Landsleute. In der offiziellen Namensliste der Luzerner Auswanderer (BF 52, Staatsarchiv Luzern) stehen ihre Namen nebeneinander:
Eintrag 35: Wermelinger Xavier — Willisau — 44 Jahre Eintrag 43: Jost Johann Baptist — Willisau — 40 Jahre — Arzt und Secretaire
Sie schifften sich gemeinsam ein. Sie überquerten zusammen den Atlantik. Sie kamen gemeinsam am 1. Januar 1820 in Nova Friburgo an. Xavier erhielt das Landstück Nr. 61. Jost erhielt ein anderes Stück in derselben Kolonie. Sie lebten in den ersten Jahren als Nachbarn, bis beide aus unterschiedlichen Gründen beschlossen, dass dieses kalte und unfruchtbare Land kein Ort war, um Kinder grosszuziehen.
„Sitzt im Wald mit den Affen"
In seinem Brief beschreibt Jost jede Luzerner Familie — eine nach der anderen, ohne Mitleid und ohne Beschönigung. Als Xavier an der Reihe ist, schreibt er:
„12. Wermelinger Xavier, von Willisau, — Trexler, — s Frau, und 7 oder 8 Kindern; nur simple. Hat Colonie-Land No. 61 verpachtet, und zog aus nach Macahé, etwas besser und wärmer als Colonie Land für Café. — sitzt allso im Wald mit den Affen."
Was uns diese Zeilen verraten
Jedes Wort zählt. Betrachten wir, was Jost offenbart:
Trexler — Weber. In der offiziellen Liste von 1819 (BF 52) war die Berufsspalte bei Xavier leer, während seine Listenachbarn als Zimmerleute, Schuster, Bäcker und Ärzte verzeichnet waren. Nun wissen wir: Xavier war Weber. Er arbeitete am Webstuhl in Willisau. Er war kein Bauer. Er war kein Bauhandwerker. Er war ein Mann der feinen Hände — der dazu gebracht wurde, tropischen Urwald mit der Axt zu fällen.
„Nur simple" — bloss einfach. Jost verschont in seinem Brief niemanden. Manchen nennt er „Säufer", „Tagdiebe", „Vagabonden". Über Xavier sagt er lediglich, er sei „simple" — einfache Leute, ohne Ansprüche, ohne Geld. Das ist keine Beleidigung. Es ist die Feststellung, dass Xavier kein Kapital hatte, um Sklaven, Maultiere oder fertige Höfe zu kaufen. Er hatte nur Arme, Familie und Sturheit.
„7 oder 8 Kindern" — 7 oder 8 Kinder. Xavier war mit 6 lebenden Kindern eingeschifft (ein siebtes, Johann Baptist, war am 28. November 1819 an Bord gestorben, mit nur einem Jahr). Im Jahr 1825, sechs Jahre nach der Ankunft, waren es bereits 7 oder 8. Die in Brasilien geborenen Kinder kamen schon nach. Die Familie wuchs selbst im Unglück.
„Verpachtet" — verpachtet. Xavier verkaufte das Landstück 61 in Nova Friburgo nicht. Er verpachtete es. Er behielt die Bindung an das Land, das ihm zugeteilt worden war, erkannte aber, dass dort kein Fortkommen möglich war. Die Kolonie lag in einer kalten Serra, wo, wie Jost selbst an anderer Stelle des Briefes beschreibt, „nur Bohnen, Mais, Kartoffeln bös, und Garten-Gewächs" gediehen; „denn alle Süd- und hinländischen zahme Gewächse und Früchten, z.B. Bananas, Ananas, Café, Pommeranzen, Zitronen u.s.w. Hunderte, wachsen zwar, sterben aber bey erstem Kaltwerden wieder ab."
„Macahé" — Umzug nach Macaé. Xavier stieg von der Serra hinab. Er suchte wärmeres, tiefer gelegenes Land, wo Kaffee wachsen konnte. Er ging nicht allein: Jost vermerkt, dass Josef Meyer, ein weiterer Luzerner Kolonist, „zog mit Wermelinger nach Macahé, um Cafe-pflanzen." Sie gingen zusammen, wie sie zusammen auf dem Schiff gewesen waren, wie sie zusammen von Willisau nach Basel, von Basel nach Rotterdam, von Rotterdam nach Texel, von Texel nach Rio de Janeiro, von Rio nach Nova Friburgo gezogen waren. Die Solidarität unter Landsleuten war das Einzige, was blieb, wenn alles andere versagte.
„Sitzt im Wald mit den Affen." Dieser Satz ist reiner Jost: scharf, direkt, beinahe grausam. Doch es ist kein Urteil — es ist eine wörtliche Beschreibung. Xavier sass mitten im atlantischen Regenwald, fällte Bäume, pflanzte Kaffee, umgeben von Affen. Ein Schweizer Weber mit 50 Jahren, im tropischen Urwald von Macaé. Das Bild ist zugleich absurd und heldenhaft.
Der Lebensweg, der sich abzeichnet
Mit dem Brief von Jost können wir nun die ersten Jahre Xaviers in Brasilien nachzeichnen:
Juli 1819 — Abreise aus Willisau mit Ehefrau Catharina Egglin (Kathrina Eggli) und sechs Kindern. Xavier ist 44 Jahre alt. Er verzichtet für immer auf sein Luzerner Bürgerrecht.
10. Oktober 1819 — Einschiffung auf der Heureux Voyage in Texel, Holland. Das Schiff trägt 442 Kolonisten aus dem Wallis, Luzern, Solothurn und Schwyz.
28. November 1819 — Johann Baptist Wermelinger, der jüngste Sohn, stirbt an Bord mit nur einem Jahr. Er ist eines von sechs auf See gestorbenen Luzerner Kindern.
1. Januar 1820 — Ankunft in Nova Friburgo. Zuteilung von Haus Nr. 81 und Landstück Nr. 61 in Morro Queimado.
1820–1822 — Versuch, das Land zu bewirtschaften. Das Klima ist zu kalt. Der Kaffee gedeiht nicht. Die vertraglich zugesicherten Versorgungsgüter kommen nicht an oder geraten in falsche Hände. Hunger droht.
~1822–1825 — Verpachtung des Landstücks 61 und Umzug nach Macaé mit Josef Meyer. Beginn des Kaffeeanbaus auf wärmerem Land. Neue Kinder werden geboren.
31. Dezember 1825 — Jost, auf der anderen Seite der Provinz, hält fest, was er gehört hat: Xavier sitzt im Wald von Macaé mit 7 oder 8 Kindern. Einfach. Am Leben. Pflanzend.
Später wird Xavier in die Aldeia da Pedra — das heutige Itaocara — weiterziehen, wo er um 1860 persönlich den Schweizer Diplomaten Johann Jakob von Tschudi treffen und ihm mit der Autorität eines Mannes, der alles durchlebt hat, sagen wird, dass „die ersten zwölf bis fünfzehn Jahre hart und voller bitterer Enttäuschungen waren, gezeichnet vom Elend — doch danach die Dinge besser wurden und er zufrieden lebte."
Dr. Jost — ein Porträt
Es lohnt sich, den Mann kennenzulernen, der über Xavier schrieb. Johann Baptist Jost wurde um 1779 in Willisau geboren. Er war Arzt und Sekretär — der einzige Akademiker unter den Luzerner Auswanderern. Er schiffte sich mit seiner Frau Marianna Barth und sechs Kindern ein. Zwei starben in den ersten Monaten: Marianna (3 Jahre) am 14. Januar 1820, und Genovefa (6 Monate) am 6. Dezember 1819.
Jost verliess die Kolonie im Herbst 1821. Er verbrachte dreieinhalb Monate in der Aldeia da Pedra, dann drei volle Jahre in São Fidélis und liess sich schliesslich in Campos dos Goytacazes nieder, wo er mit kaiserlichem Patent die Medizin ausübte. Er beschrieb sich selbst als „glücklich von 100 die 99 weg-practizierend".
Sein bester Freund war Wendelin Rüttimann, Goldschmied aus Sursee, der in einem gesonderten Brief aus derselben Zeit schrieb: „Dr. Joste von Willisau ist immer mein bester Kamerad und Freund gewesen, und danke ihm viel Gutthaten zu meinem Fortkommen."
Der Brief von Jost ist nicht neutral. Er prangert Korruption bei den aus der Schweiz gesandten Subsidien an, beschuldigt Mittelsmänner des Diebstahls und empört sich über die Benachteiligung der deutschsprachigen Kolonisten. Doch er ist auch nicht ungerecht: Er anerkennt, dass „wer auszog mit Gott! wer auszog mit Bedacht! wer daran dachte: Aller Anfang ist schwer, und Wir Eltern werden vieles erfahren und leiden müssen die Ersten Jahre, es ist aber unsere hohe Pflicht für unsere lieben Kinder zu sorgen" — dem erging es nicht schlecht.
Xavier Wermelinger, der einfache Weber, der in den Wald zu den Affen ging, scheint einer von diesen gewesen zu sein.
Die Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf folgende Primärquellen, alle aufbewahrt im Staatsarchiv Luzern:
- BF 52 — Offizielle Namensliste der Luzerner Auswanderer von 1819 (Nahmens-Verzeichnis der nach Brasilien ausgewanderten Individuen des Kantons Luzern)
- AKT 24/60.B.3 — Brief von Johann Baptist Jost an Schultheiss Amrhyn, 31. Dezember 1825
- AKT 24/60.B.3 — Brief von Josef Wendelin Rüttimann an Eduard Pfyffer, 11. August 1825
- AKT 24/60.A.3 — Brief von Franz Hunkeler an Regierungsrat Vinzenz Hegi, 20. Mai 1820
Der vollständige Text des Jost-Briefes wurde veröffentlicht in: Nicoulin, Martin, La genèse de Nova Friburgo. Emigration et colonisation suisse au Brésil 1817–1827, Fribourg, 1973, S. 296–303.
Ein Buch über die Familie Wermelinger: Abib, Alberto Lima, A família Wermelinger: uma aventura em dois continentes (a imigração suíça de 1819/1820), Nova Friburgo, 2000.
Allgemeiner historischer Kontext: Bossard-Borner, Heidi, Im Bann der Revolution. Der Kanton Luzern 1798–1831/5, Luzern, 1998 (LHV 34), S. 297.
ANHANG I — Offizielle Namensliste der Luzerner Auswanderer, 1819 (Auszug)
Quelle: Staatsarchiv Luzern, Signatur BF 52 Nahmens-Verzeichnis der nach Brasilien ausgewanderten Individuen des Kantons Luzern, 1819
Das Originaldokument hält fest, dass die Auswanderer am 12. Heumonat (Juli) 1819 abreisten, unter der Aufsicht des von der Regierung eingesetzten Kommissars Hauptmann Kaspar Theiler aus Luzern, und dass sie für immer auf ihr bisheriges Heimatrecht im Kanton Luzern verzichteten.
Amt Willisau — Eintrag der Familie Wermelinger:
| Nr. | Name | Heimatgemeinde | Aufenthaltsort | Alter | Beruf | Tod |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 35 | Wermelinger Xavier | Willisau | Willisau | 44 | — | — |
| 36 | Kathrina Eggli | 37 | — | — | ||
| 37 | 1. Xavier (Sohn) | 10 | — | — | ||
| 38 | 2. Josef | 7 | — | — | ||
| 39 | 3. Steffan | 6 | — | — | ||
| 40 | 4. Johann Baptist | 1 | — | 28.11.1819 | ||
| 41 | 5. Kathrina | 9 | — | — | ||
| 42 | 6. Marianna | 4 | — | — |
Folgender Eintrag — Familie Jost (Nachbarn in Willisau):
| Nr. | Name | Heimatgemeinde | Aufenthaltsort | Alter | Beruf | Tod |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 43 | Jost Johann Baptist | Willisau | Willisau | 40 | Arzt und Secretaire | — |
| 44 | Marianna Barth | — | — | — | ||
| 45 | 1. Johann Baptist | 9 | — | — | ||
| 46 | 2. Anton | 7 | — | — | ||
| 47 | 3. Thomas | 6 | — | — | ||
| 48 | 4. Franz | 4 | — | — | ||
| 49 | 5. Marianna | 3 | — | 14.1.1820 | ||
| 50 | 6. Genovefa | ½ | — | 6.12.1819 |
Anmerkung: Die letzte Spalte (Sterbedatum) wurde nachträglich ergänzt gemäss Abib, Lima, Wermelinger, S. 82 ff.
ANHANG II — Brief von Dr. Johann Baptist Jost, 31. Dezember 1825 (Auszüge)
Quelle: Staatsarchiv Luzern, Signatur AKT 24/60.B.3 Absender: Joh. Bapt. Joste, Arzt und Wundarzt, Campos dos Goytacazes Empfänger: Schultheiss Amrhyn, Luzern Veröffentlichung: Nicoulin, Martin, La genèse de Nova Friburgo, Fribourg, 1973, S. 296–303
Eintrag Nr. 12, über Xavier Wermelinger:
„12. Wermelinger Xavier, von Willisau, - Trexler, - s Frau, und 7 oder 8 Kindern; nur simple. Hat Colonie-Land No. 61 verpachtet, und zog aus nach Macahé, etwas besser und wärmer als Colonie Land für Café. - sitzt allso im Wald mit den Affen."
Eintrag Nr. 10, Josef Meyer (zog gemeinsam mit Xavier):
„10. Meyer Jos. - schon 2 mal Witwer in Colonie, und sey wieder verehel. - halbhölzerner Kerl, so-so. Zog mit Wermelinger nach Macahé, um Cafe-pflanzen. zanken alle Nachbarn brav Tochter in Rio verheyr. Sohn Jos. - weiss nicht."
Über die Kolonie und ihr Land:
„Denn Morro-Queimado liegt in einer hohen kalten u. angeerischen Serra, oder Gebirgskette, bey 40 Meilen, wie Bündten-Glarus,-Uri,-Wallis etc. zusammengesetzt allso hin und wieder nur ein etwas besseres Hochthal darin, um Bohnen, Mais, Kartoffeln bös, und Garten-Gewächs zu pflanzen; denn alle Süd- und hinländischen zahme Gewächse und Früchten, z.B. Bananas, Ananas, Café, -Pommeranzen, Zitronen u.s.w. Hunderte, wachsen zwar, sterben aber bey erstem Kaltwerden wieder ab."
Über den Erfolg und das Scheitern:
„Wer auszog mit Gott! - wer auszog mit Bedacht! wer daran dachte: - Aller Anfang ist schwer, und Wir Eltern werden vieles erfahren, und leiden müssen die Ersten Jahre, es ist aber unsere hohe Pflicht für unsere lieben Kinder zu sorgen, und Ihnen zu Ihrem Auf- und Fortkommen zu helfen."
Über die Korruption bei den Subsidien:
„Dass die armen Colonisten immerfort, von Anfang bis Dato, um eigenes, mitgebrachtes, versprochenes lt. Tractat, und Nachgesandtes zur Aufhilfe, beeinträchtigt, betrogen, u. bestohlen worden."
Über den Verfasser selbst:
„16. Joste, Joh. Bapt., von Willisau, seit 1821 Spätjahr. erstlich 3 1/2 Mon. in Aldéa de Pedra, bey Capuziner Ths. di Castelli etc., dann 3 volle Jahr bei Aldéa de S. Fideles, izt seit Ende März hier in Stadt Campos etabliert, und mit Kayserl. Patente als Arzt und Chirurg, glücklich von 100 = die 99 weg-practizierend; Mit Frau und 4 Knaben, gut zufrieden."
Unterschrift:
„Das wünscht aus innigstem Hertzen Hochderselben! immerfort dankbarer, und getreuer alter Mitbürger und Diener, Joh. Bapt. Joste, Arzt und Wundarzt, m.p. Beendigt heute den 31 Dezbre 1825."
ANHANG III — Brief von Franz Hunkeler, 20. Mai 1820 (Auszüge)
Quelle: Staatsarchiv Luzern, Signatur AKT 24/60.A.3 Absender: Franz Hunkeler, Nova Friburgo Empfänger: Regierungsrat Vinzenz Hegi, Luzern
Über die Toten auf See:
„Von dem Luzerner Convoi starben auf dem Meer nicht mehr als 6 Personen jedoch nur Kinder, nemlich 3 dem Josef Huober, 1 dem X. Wermelinger, und 2 dem Haslimann, obschon wir sehr enge eingepackt wurden."
Über die Überfahrt:
„Den 11ten Oktober 1819 fuhren wir 450 Köpf auf dem Schiffe der glücklichen Reise in Texel in Holland ab. Wir hatten immer guten Wind und würden gewiss in 7 Wochen in Rio Janeiro angekommen sein, wenn uns nicht auf dem Canarischen Meer nicht alle 3 Mastbäume abgebrochen wären."
Über die Zustände an Bord:
„Nichts ist auf dem Meer zu fürchten als bei einem solchen Transport von Menschen, so dass viele Ungeziefer, alles, niemand ausgenommen wird voll Läuse und Flöch."
Liste der Luzerner Toten bis Mai 1820:
„Gestorben sind nun von Luzern von Haus bis dato a. von Familie Büttler Kind — 2 b. Haslimann Kind — 2 c. Hecht Alois Sohn — 1 d. Huobers Frau und Kinder — 5 e. Hunkelers Frau und 2 Kinder — 3 f. Luterbach alt und Kind — 2 g. Meyers Frau und 2 Kind — 3 h. Michel Rütiman und Frau und 1 Kind — 3 i. Wendel Rütimans Frau und Kind — 2 k. Jost Babtist Kinder — 2 l. Wetterwald Familie ganz bis an 1 Kind — 6 m. Wermelinger Kind — 1"
Insgesamt: 32 Luzerner Tote zwischen der Abreise (Juli 1819) und Mai 1820. Von 140 Ausgereisten kamen 108 lebend an und überlebten die ersten Monate. Die Familie Wetterwald aus Ohlisrüti bei Willisau verlor fast alle Mitglieder — der Vater starb in Holland, die Ehefrau und vier Kinder starben in Nova Friburgo; nur ein Kind überlebte.
ANHANG IV — Brief von Wendelin Rüttimann, 11. August 1825 (Auszüge)
Quelle: Staatsarchiv Luzern, Signatur AKT 24/60.B.3 Absender: Josef Wendelin Rüttimann, Campos dos Goytacazes Empfänger: Eduard Pfyffer, Präsident des Polizei-Raths, Luzern
Über die Freundschaft mit Dr. Jost:
„Schon auf unserer ganzen Reise und fortwährend in diesem unserm neuen Vaterlande ist Dr. Joste von Willisau immer mein bester Kamerad und Freund gewesen, und danke ihm viel Gutthaten zu meinem Fortkommen. Er ist glüklich und wohl."
Über das Land der Kolonie:
„Wäre unsere in eine solche fruchtbare Gegend verlegt worden – ja! es wäre wohl anders gegangen. Aber wo sie ist, kann und wird nichts werden. Zu kalt. Nur Mais, Bohnen und Erdäpfel kommen davon."
Über die Aldeia da Pedra und die Zerstreuung:
„Viele sind nach Minas, Aldèa da Pedra, haben Land umsonst bekommen, und stehn nicht bös, was will aber ein Mann allein mit Weib und kleinen Kindern machen, die ihm nichts helfen können."
Über die persönlichen Verluste von Rüttimann:
„In Medenblek, einer Stadt in Holland, starb mein Töchterlein Mariannli, schon krank in Dordrecht eingeschift; in Neufreiburg am 12. Horner 1820 starb meine liebe Gattin Margaritha Imbach an einer unglüklichen Niederkunft, und abgeschwächt von den Beschwerden der Reise und mehreren Umständen."
ANHANG V — Webseite des Staatsarchivs Luzern über Nova Friburgo
Das Staatsarchiv Luzern unterhält eine Seite zur Luzerner Auswanderung von 1819, verfasst von Markus Lischer, mit der Namensliste BF 52, Briefauszügen und Literaturangaben. Abrufbar unter:
https://staatsarchiv.lu.ch/schaufenster (Rubrik Nova Friburgo)
Die Primärquellen sind in einer Archivschachtel mit der Signatur AKT 24/60 vereinigt, die die Briefe von Hunkeler (1820), Rüttimann (1825) und Jost (1825) sowie das Reise-Reglement enthält. Die Namensliste befindet sich unter der Signatur BF 52.
Das Staatsarchiv besitzt zudem in seiner Bibliothek:
- Abib, Alberto Lima, A família Wermelinger: uma aventura em dois continentes, Nova Friburgo, 2000. Signatur: G.h 37
- Abib, Alberto Lima, E os Suíços chegaram!!, Nova Friburgo, 2004. Signatur: Bro B 2756
Weitere vom Staatsarchiv zitierte Literatur:
- Nicoulin, Martin, La genèse de Nova Friburgo. Emigration et colonisation suisse au Brésil 1817–1827, Fribourg, 1973
- Bucher-Häfliger, Josef, „Rottaler finden in Brasilien eine neue Heimat", Willisauer Bote, 23. Mai 1997
- Jurt, Joseph, „Auf Willisauer Spuren in Brasilien", Quattro, Nr. 1, 3. Januar 2004
- Jurt, Joseph, „Schweizer Emigration nach Brasilien. Aus der Sicht des Willisauers Joseph Hecht", Heimatkunde Wiggertal 2026, S. 153–161
- Weibel-Knupp, Anita, „Schweizer Auswanderung nach Brasilien 1819", Jahrbuch SGFF 42 (2015), S. 223–268
Tiago Torres Wermelinger Duas Barras, Rio de Janeiro, Brasilien April 2026
Direkter Nachkomme von François Xavier Wermelinger (Willisau ~1775 — Brasilien ~1870)
